Analfissur – Symptomatik & Behandlungsmöglichkeiten

Auf einmal ist da ein Riss: Behandlungsmöglichkeiten der Analfissur – Wenn der Stuhlgang zur Geduldsprobe wird und bei nahezu jeder Entleerung signifikante Schmerzen auftreten, weiß man, dass etwas nicht in Ordnung ist. Zeigen sich dann noch verräterische Blutspuren auf dem Toilettenpapier, könnte es sich um eine Analfissur handeln. Die ist zwar unangenehm und hartnäckig, aber sehr gut heilbar. Was Sie über den fiesen Haarriss am Anus wissen müssen und wie die Analfissur zu behandeln ist, haben wir hier zusammengefasst.


Inhaltsverzeichnis:

  1. Definition
  2. Symptome
  3. Auslöser/Ursachen
  4. Behandlung der Anafissur
  5. Hausmittel
  6. Vorbeugung
  7. Quellen

Was ist eine Analfissur genau?

Eine Fissur tritt immer dann auf, wenn die Haut plötzlich aufreißt und ein länglicher Riss zurückbleibt. Geschieht dies im sensiblen Analkanal, spricht man von einer Analfissur. Dabei reißt die Schleimhaut im Bereich des innenliegenden Teils des Afters auf. Der Riss kann so lang sein, dass er sich bis auf die Körperaußenseite hinzieht. In manchen Fällen bildet sich innerhalb des Einrisses ein Geschwür.

Welche Symptome deuten auf eine Analfissur hin?

Haemorrhoiden uns Analfissuren
Die Analfissur

Ein Afterriss ist für den Betroffenen immer mit großen Schmerzen verbunden. Diese können spontan auftreten, beispielsweise als intensiver Reiz während des Stuhlgangs und anschließend wieder abklingen. Die Schmerzen können aber genauso über Tage hinweg präsent sein und den Alltag des Patienten stark einschränken.

Ein weiteres Indiz für eine Analfissur: Die Ausscheidung tritt in einem dünnen Strahl aus. Hintergrund ist, dass der Patient massiv verkrampft ist und den Schließmuskel straff zusammenkneift – gleichzeitig aber presst. Weil das Gewebe dadurch weiter einreißt, zeigt sich Blut im Stuhl. Ebenso kann der Bereich jucken und brennen [1].

Wie sieht eine Analfissur aus?

Wer nun erwartet, wie bei den Hämorrhoiden Bilder einen optisch eindeutigen Befund zu erhalten, liegt falsch. Eine Analfissur kann fein wie ein Haar und mit bloßem Auge nicht zu erkennen sein. Es handelt sich um einen feinen Riss, der von der Aftermitte nach außen hin abgeht. Die Wunde kann nässen, rötlich eingefärbt oder etwas eingefallen sein. Ebenfalls kann der Riss so versteckt innerhalb des Afterkanals liegen, dass er nur mit einem Proktoskop zu ermitteln ist [2]

Auslöser: So entsteht eine Analfissur

Typische Ursache ist die Überlastung

Die Verletzung geht immer mit einer maximalen Belastung des Rektums einher. In sehr vielen Fällen reißt etwa die Haut während des Stuhlgangs ein. Auslöser könnte dabei beispielsweise sein, dass der Betroffene auf der Toilette kraftvoll presst. Auch eine zu harte Konsistenz der Ausscheidungen kann zum Einreißen führen. Ebenso ist es möglich, dass dünnflüssiger Stuhlgang (etwa Durchfall oder ein zu oft wiederholter Einlauf), forciert herausgepresst wird.

In der Praxis wird ferner beobachtet, dass Hämorrhoiden und Fissuren häufig miteinander korrelieren. Auch dieser Zusammenhang deutet auf falsche Toilettengewohnheiten und eine damit einhergehende Überbelastung des Gewebes hin [3]. Eine Analfissur kann zudem während einer Geburt entstehen. Dann nämlich ist der Urogenitaltrakt der Frau so strapaziert, dass das anliegende Gewebe zusätzlich mit einreißt.




Mangelnde Elastizität führt zur Analfissur

Ebenso könnte es möglich sein, dass die Analhaut nicht mehr über die notwendige Dehnbarkeit verfügt. Eine mangelnde Spannkraft stellt sich etwa ein, wenn bestimmte Bereiche des Afters einmal entzündet waren oder chirurgisch behandelt wurden, und feine Narben zurückgeblieben sind. So könnten für die fehlende Elastizität etwa Analfisteln, Hämorrhoiden oder zurückliegende Analthrombosen verantwortlich sein. Denkbar ist auch, dass es durch die chirurgische Entfernung von Feigwarzen oder Marisken zu empfindlichen Verwachsungen gekommen ist. All diese vorangegangenen Erkrankungen könnten nun die Dehnbarkeit der Haut einschränken.

Sexualpraktiken können eine Analfissur auslösen

Nicht selten handelt es sich bei dem Einriss aber auch um eine schmerzhafte Folge des Liebesspiels. Insbesondere dann, wenn sperrige Gegenstände (Utensilien, Fisting, Analverkehr) in den Anus eingeführt werden, kann die Haut einreißen.

Weitere Auslöser:

  • Morbus Chron
  • Colitis ulcerosa
  • Lokale Candidamykose (Hefepilzbefall) [4]

Deshalb verheilt die Analfissur so schlecht

Oft reißt die Hautwunde immer wieder auf. Hintergrund ist, dass bedingt durch die zu erwartenden Schmerzen manche Patienten den Stuhlgang lange herausschieben. Staut sich dann der Kot im Mastdarm an, werden die Bestandteile immer weiter verdichtet und eingedickt. Die Folge: Lässt der Betroffene nach einiger Zeit die Ausscheidung doch zu, könnten die Exkremente extrem verhärtet sein. Durch den großen Druck aus dem Darminneren und die zu erwartenden Schmerzen verkrampft der Patient wiederkehrend. Das wiederum führt zu einer Engstellung des Afters. Im Endergebnis reißt die frisch verheilte Wunde abermals schmerzhaft auf.

analfissur und analabszess schematische abbildung
Analfissur und Analabszess schema. Abb.

Wie behandelt man eine Analfissur?

Dabei ist die Mithilfe des Patienten erforderlich. Zunächst einmal wird eine sofortige Kostumstellung angeregt. Durch den Verzehr von in Wasser eingelegten Quellmitteln – ideal sind Flohsamenschalen, Leinsamen oder Kleie – lockert sich die Konsistenz des Stuhls. Damit sollen folgende Entleerungen schadloser ablaufen können. Parallel erfolgt eine medikamentöse Behandlung. Dazu verschreibt der Arzt in der Regel Salben oder Zäpfchen, welche die Spannkraft des Afters herabsetzen können. Hauptbestandteil dieser Präparate ist entweder Nitroglycerin oder ein äußerlich anzuwendender Kalziumantagonist. Solche Medikamente enthalten durchweg ein Lokalanästhetikum. Dieses betäubt den Anus und lässt schmerzfreie und unverkrampfte Entleerungen zu [5].

Wichtig: Eine Anafissur benötigt eine Heilungsphase von rund sechs Wochen. Danach ist das Gewebe vollflächig regeneriert.

Muss die Analfissur operiert oder genäht werden?

Wer unter einer chronischen Analfissur leidet und womöglich Folgeerkrankungen befürchtet, für den könnte eine Operation in Frage kommen. Das Ausschneiden der Fissur ist bei rund zehn Prozent der Patienten notwendig. Dabei wird der Riss, nebst Gewebenarben und eventuellen Marisken, oberflächlich herausgeschnitten (Fissurektomie). Die Stelle wird von dem Chirurgen nicht vernäht, sondern heilt im Laufe von bis zu sechs Wochen langsam und kontrolliert ab.




Übrigens: In früheren Zeiten war es üblich, den Schließmuskel zu dehnen oder gar einzuschneiden und neu zu vernähen. Diese Praxis gilt heute in der Behandlung der Analfissur als überholt. Studien zeigen, dass durch das absichtliche Durchtrennen des Anus die Patienten Jahrzehnte später noch unter Inkontinenz oder sonstigen Einschränkungen leiden könnten [6].

Welcher Arzt kann mir bei einer Analfissur helfen?

Meist reicht schon der Besuch bei einem versierten Allgemeinmediziner. Speziell dann, wenn die Veränderung erstmalig auftritt und das Gewebe noch nicht weiter vernarbt ist, kann der Hausarzt gut helfen. Handelt es sich um einen intensiven, sehr schmerzhaften oder wiederkehrenden Krankheitsverlauf oder treten weitere Begleiterscheinungen auf, so muss in jedem Fall ein Termin beim Proktologen vereinbart werden. Der Enddarmspezialist kann sicher entscheiden, wie tief der Afterriss bereits ist und eine entsprechende Therapie einleiten.

Wie diagnostiziert der Arzt die Analfissur?

Oft reicht bereits die äußere Begutachtung des Areals aus, um die Diagnose stellen zu können. Dann nämlich zeigt sich ein feiner Riss, ausgehend vom Mittelpunkt des Afters bis an den Rand des Muskelrings. Liegt die Analfissur tiefer im Rektum drinnen oder ist der Riss bereits in untere Gewebeschichten vorgedrungen, könnte der Arzt die Stelle zusätzlich mit einem Proktoskop untersuchen. Um Schmerzen einzudämmen, wird dabei meist ein Lokalanästhetikum aufgetragen. Das Rektum wird eher nicht mit einem Finger untersucht. Um Hämorrhoiden auszuschließen, könnte jedoch eine Enddarmspiegelung angeordnet werden [7].

Hausmittel zur Linderung der Beschwerden bei einer Analfissur

Eine Analfissur ist niemals angenehm – groß ist die Gefahr, dass sich der Patient immer weiter verkrampft und die Wunde beim nächsten Stuhlgang erneut aufreißt. Deshalb sollten Maßnahmen ergriffen werden, welche die Heilung anregen und Schmerzen eindämmen.

Sitzbäder: Hilfreich sind dabei wärmende Bäder mit entzündungshemmenden oder adstringierenden Bestandteilen. Insbesondere Kamille*, Hamamelis oder Eichenrindenextrakt* könnten helfen [8].

Kühlen: Manche Menschen bevorzugen es, den geschundenen Bereich rund um die Analfissur zu kühlen. Dazu könnte eine schmale Kühlkompresse* genutzt werden. Sie wird in ein Baumwolltuch eingeschlagen und vorsichtig auf den Anus gedrückt.

Sitzring: Zwar liegt die Analfissur tief versteckt im Gesäß, trotzdem könnte stundenlanges Sitzen die Durchblutung negativ beeinflussen. Je nach Schweregrad kann dann ein ergonomisch geformter Sitzring* weiterhelfen.

Heilung anregen: So wie bei einem Dammschnitt oder Dammriss auch, handelt es sich bei der Analfissur um eine Verletzung, die sich an einem sehr empfindlichen Ort ereignet hat. Insofern könnten lindernde Substanzen, welche die Heilung anregen, sinnvoll sein. Dazu zählen Wirkstoffe wie Dexpanthenol oder Zink, oder natürliche Mittel wie:

Kann man einer Analfissur vorbeugen?

Der feine Riss entsteht besonders häufig dann, wenn große Scherkräfte auf den After einwirken. Durch den Druck spannen sich die Außenwände des Rektums immens an und das umliegende Gewebe wird massiv traktiert. Dementsprechend sollten alle Handlungen vermieden werden, die den Darmausgang überanstrengen, reizen oder stark dehnen.

Das können Sie selbst tun:

  • Vermeiden Sie unbedingt zu starkes Pressen auf der Toilette. Geben Sie sich auf dem WC genügend Zeit, dass die Ausscheidung stressfrei und ohne Druck vonstattengehen kann.
  • Reinigen Sie sich nach dem Toilettengang vorsichtig mit lauwarmem Wasser und einer pH-neutralen Seife statt mit WC-Papier.
  • Verzichten Sie auf feuchtes Toilettenpapier. Es könnte allergische Reaktionen auslösen und eine Analfissur womöglich fördern.
  • Sorgen Sie durch eine ballaststoffreiche Kostumstellung für eine homogene, weiche Stuhlkonsistenz [9].
  • Halten Sie die inneren Schleimhäute feucht, indem Sie täglich mindestens zwei Liter Flüssigkeit aufnehmen.
  • Von Abführmitteln sollte man die Finger lassen. Dünner Stuhl „verführt“ quasi zum Pressen und kann eine Analfissur somit begünstigen.
  • Befeuchten Sie vor dem Stuhlgang den Analkanal mit einem Tropfen Gleitgel.
  • Vermeiden Sie scharfes Essen, weil dieses bei der Ausscheidung die empfindliche Haut zusätzlich reizen könnte.
  • Strapazierende anale Sexualpraktiken sollten, wenn überhaupt, nur mit äußerster Vorsicht durchgeführt werden. Während einer Analfissur ist Analsex tabu.
  • Um zu lernen, wie der Anus gezielt entspannt werden kann, ist Beckenbodengymnastik sinnvoll.





Quellen:
[1] Konservative Therapie von Analfissuren, Heiner Krammer, Alexander Herold, Dieter Bussen, Der Allgemeinarzt 11/2008, S. 30-33

[2] https://www.apotheken-umschau.de/analfissur

[3] Wenn es beim Stuhlgang schmerzt: Analfissur praktisch, Martin Geyer, Daniel Bimmler, Wettingen, CURRICULUM Schweiz Med Forum 2013;13(38):752–755

[4] https://www.kade.de/indikationsgebiete/proktologie/analfissur/

[5] Therapeutisches Vorgehen bei der Analfissur, J. Jongen, J. Schumacher, V. Kahlke, Proktologische Praxis Kiel, 2016, Band 81/2

[6] https://enddarmzentrum-essen.de/index.php/erkrankungen/analfissur-afterriss

[7] Die Therapieoption der chronischen Analfissur, Dipl.-Ing. Ceyda Cakan Saka, INAUGURAL-DISSERTATION, 2012 – Seite 20

[8] https://praxisklinik-marburg.de/analfissur-und-kryptitis/

[9] http://www.edze.de/fissur.html

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