Hautarzt: Leistungsspektrum und Behandlungen beim Dermatologen

Wer auf sein Äußeres achtet, dem sind Probleme mit der Haut ausgesprochen lästig. Wenn Schuppen, Stielwarzen, Akne oder andere Unansehnlichkeiten das Hautbild beeinträchtigen, ist der soziale Handlungsdruck hoch. Erst recht, wenn man befürchtet, Opfer einer ernsthafteren Erkrankung zu sein. Dann hilft nur der zügige Gang zum Hautarzt. Ob der Dermatologe auch bei Ihren Beschwerden helfen kann, erfahren Sie in diesem Artikel.

 

Hautarzt: Was genau für ein Mediziner ist das?

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Infografik: Gründe für den Hautarztbesuch – Impala6868 [CC BY-SA 4.0], from Wikimedia Commons

Der „Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Dermatologe)“ – so die offizielle Bezeichnung – behandelt das größte Organ des menschlichen Körpers: die Haut. Dabei handelt es sich nicht nur um den offensichtlichen, rosafarbenen Teil der Hautoberfläche. Vielmehr kümmert sich der Dermatologe, um die gesamte Oberflächenstruktur des Menschen.

Darunter fallen beispielsweise die innenliegenden Schleimhäute, die in der Haut eingebetteten Schweiß- und Talgdrüsen, die Haare und Nägel oder das Unterhautfettgewebe. Selbst die Blutgefäße innerhalb der verschiedenen Hautschichten fallen in das Aufgabengebiet des Hautarztes.

 

Was macht der Hautarzt?

Der Arzt kümmert sich um alle Erkrankungen, die sich an der Oberfläche der Haut abspielen. Er diagnostiziert und behandelt ganz verschiedene Krankheiten und Veränderungen. Der Tätigkeitsbereich lässt sich in mehrere Sparten aufgliedern:

 

Im Bereich Dermatologie hilft der Hautarzt bei folgenden Erkrankungen

  • Neurodermitis
  • Warzen
  • Herpes
  • Pilz-Infektionen (Candidosen wie Nagelpilz oder Hautpilz)
  • Einem Ekzem
  • Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Vitiligo
  • Eiterknötchen, Quaddeln, Milien
  • Übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrosis axillaris)
  • Lipome
  • Rhagaden wie ein eingerissener Mundwinkel
  • Hühneraugen
  • Steißbeinfisteln (Sinus pilonidalis)

 

Vorsorge und Behandlung von bestimmten Krebsarten

  • Veränderungen von Leberflecken, Pickeln, Muttermalen
  • Hautkrebs wie Melanome, Basaliome (Basalzellkarzinom), Stachelzellkrebs




Medizinische Kosmetik bei krankhaften Hautveränderungen durch den Hautarzt

dermatologe vergroesserte poren hautunreinheiten akne
Vergroeßerte Poren, Hautunreinheiten, Akne
  • Rosacea
  • Couperose
  • Keratose (Verhornungsstörungen)
  • Akne, unreine Haut, Pickel, Mitesser
  • Hyperpigmentierungen
  • Fettgeschwulste (Lipom)
  • Talggeschwulste (Grützbeutel oder Atherom)
  • Narbenkeloide

 

Krankheiten im Intimbereich

 

Der Bereich Allergologie des Hautarztes im Überblick

  • Pollen (Heuschnupfen)
  • Hausstaubmilben
  • Tierhaare
  • Nahrungsmittel
  • Medikamente
  • Insektengifte
  • Kreuzallergien
  • Allergischer Ausschlag
  • Kontaktekzem
  • Ödeme

Gut zu wissen: Der Bereich der Dermatologie überschneidet sich mit vielen Tätigkeitsschwerpunkten anderer Disziplinen, etwa der Chirurgie, Phlebologie oder der Proktologie. Aus diesem Grund bilden sich viele Hautärzte spezifisch weiter. Sie bieten dann auch zusätzliche Leistungen an.

 

Bei der Spezialisierung Lymphologie behandelt der Hautarzt diese Erkrankugnen

  • Venöse Störungen wie eine Insuffizienz
  • Stau im Lymphsystem
  • Mikrozirkulationsstörungen
  • Erkrankungen des Bindegewebes [1]




Dermatologische Chirurgie hilft mittels Skalpell und Laser bei diesen Problemen

  • weißem Hautkrebs wie Plattenepithelkarzinome
  • schwarzem Krebs (malignes Melanom)
  • Hauttransplantationen
  • Hautfehlbildungen wie Riesennaevi oder Naevus flammeus
  • chronischen Wunden
  • Lipidödemen
  • Lymphödemen
  • Proktologischen Erkrankungen
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Grafik Verbrennungen der Haut (Ersten bis Dritten Grades) – BruceBlaus [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Die Dermatologische Onkologie zur Behandlung dieser Krankheiten

  • Basalzellkarzinom (Basaliom)
  • Stachelzellkarzinom (Spinaliom)
  • Schwarzer Hautkrebs (Melanom)
  • Metastasierte Lymphknoten

 

Aufgaben der dermatologischen Ästhetik und medizinische Kosmetik

  • Mit Verfahren zur Hautverjüngung und Maßnahmen gegen Falten.
  • Gegen unreine oder fettige Haut.
  • Bei zu großen Poren.
  • Bei Tränensäcken oder Augenringen.
  • Gegen Cellulite.
  • Bei Schwangerschaftsstreifen.
  • Bei unschönen Narben.
  • Bei der Rekonstruktion „normaler“ Haut.

Erkrankungen die in der Phlebologie therapiert werden

  • Venenerkrankungen wie Besenreiser
  • Venenentzündungen (Phlebitis, Krampfadern)
  • Thrombosen
  • Venöses Ödem
  • Ulcus cruris (offenes Bein)
  • Hämorrhoiden [2]

 

Aufgaben des Hausarzte beim Schwerpunkt Berufsdermatologie

Berufskrankheiten der Haut wie ein Handekzem oder Kontaktallergien werden ebenfalls durch den/die Hautarzt/Hautärztin behandelt.

 

Welche Untersuchungen und Eingriffe fallen in den Bereich des Hautarztes?

Die Haut dient dem Organismus als Schutzschicht. Sie überzieht den Körper vollflächig mit atmungsaktiven Zellen. Weil diese sehr empfindlich sind, können unzählig viele Veränderungen oder Erkrankungen an der Hautoberfläche entstehen. Um diese zu behandeln, setzt der Dermatologe ganz unterschiedliche Verfahren ein.




Maßnahmen und minimalinvasiven Eingriffe beim Hautarzt

Krebsvorsorge

Bei der Hautkrebsvorsorge begutachtet der Hautarzt oder die Hautärztin das Aussehen von Leberflecken, Pickeln, Muttermalen oder sonstigen Veränderungen. Die meisten Hautärzte nutzen zur Diagnostik ein digitales Mikroskop (Auflichtmikroskopie oder Dermatoskopie). Die Kosten werden nicht immer vollständig erstattet – bei der Video-Mikroskopie ist beispielsweise eine Zuzahlung nötig. Ab dem 35. Lebensjahr sollten Männer und Frauen alle zwei Jahre einen gründlichen Check durchführen lassen. [3]

Übrigens: Das Hautkrebsscreening ist ein Bestandteil der Präventionsmedizin. Dieses ärztliche Gebiet richtet sich an besonders gefährdete Personen (Sportler, Gärtner, Dachdecker, Winzer, usw.), die übermäßiger UV-Belastung ausgesetzt sind. Sie müssen enger kontrolliert werden und spezielle Vorsichtsmaßnahmen treffen.

 

Allergietest beim Hautarzt

Mittels Pricktest werden an Ort und Stelle etwaige Allergene aufgetragen und überprüft. Der Hautarzt liest an der Reaktion der Haut ab, ob eine Allergie vorliegt oder nicht. [4]

 

Hautärtliche Lichttherapie

Dabei bestrahlt der Dermatologe die Haut mit ultraviolettem Licht. Die Strahlentherapie wird gegen Neurodermitis, Mastozytose, Schuppenflechte, Juckreiz, Knötchenflechte, Lichturtikaria, bei einem T-Zell-Lymphom sowie zur Vorbeugung einer Sonnenallergie eingesetzt.

 

Radiofrequenzchirurgie

Sollen Hautveränderungen schonend abgetragen werden, kommen hochfrequente Radiowellen zum Einsatz. Häufiges Einsatzgebiet der Radiofrequenztherapie ist die Warzenentfernung. Doch auch bei Couperose, der Entfernung von Besenreiser oder zur Hautstraffung wird die Radiofrequenz eingesetzt. [5]

 

Lasermedizin mit dermatologischem Hintergrund

Bei der Laserbehandlung wirken spezielle Lichtimpulse auf die Haut. Je nach Wellenlänge kann die Haut dadurch abgetragen, zur oberflächlichen Heilung oder zum tieferen Neuaufbau angeregt werden. Wer möchte, kann sich in einem spezialisierten Laserzentrum behandeln lassen. Nützlich ist die Therapie etwa zur Gefäßverödung (bei einem Hämangiom, Blutschwamm, Feuermal), in der Narbentherapie (etwa bei Brandopfern) oder zur Blutgefäßerweiterung. Auch Hautkrebs wird so behandelt.

 

Sklerosierungstherapie (Verödung)

Wenn die Hämorrhoiden Salbe nicht mehr wirkt und eine ärztliche Therapie eingeleitet werden soll, kann die Verödung weiterhelfen. Bei der Sklerotherapie injiziert der Arzt bestimmte Chemikalien direkt in die geschädigte Gefäßwand. Der Bereich entzündet sich zunächst – heilt dann aber endgültig ab. Neben Hämorrhoiden behandeln Hautärzte auch noch Varizen oder Besenreiser an Beinen und Hoden (Varikozele) auf diese Weise. [6]

 

Trichogramm-Untersuchung durch den Hautarzt

Per Lichtmikroskop untersucht der Dermatologe die Kopfhaut sowie die Haarwurzeln nach Unregelmäßigkeiten. Eingesetzt wird das Verfahren bei Haar- und Kopfhauterkrankungen (diffuser Haarausfall, abgebrochene Haare, Schuppen).

 

Ästhetische Dermatologie

dermatologische praxis
Dermatologische Praxis

Je schöner die Haut, desto wohler fühlt sich der Patient. Aus diesem Grund betätigen sich immer mehr Hautärzte im Bereich der ästhetischen Medizin. Hautärzte wissen, mit welchen tiefgreifenden Verfahren sie die Struktur und das Aussehen der Haut verbessern können und haben die passenden Geräte meist sowieso dafür in der Praxis.

Minimalinvasive Verfahren der kosmetischen Medizin (Anti Aging) können ebenfalls in den Bereich den Hautarztes fallen.

  • Kryolipolyse: Abschmelzen von Körperfett (Bauch, Oberschenkel, Oberarm) mittels Kälte. [7]
  • Einspritzen von Botulinumtoxin (Botox®) zur Ruhigstellung der Mimik und dadurch Vorbeugung von Falten.
  • Injektionen mit Filler zur Faltenunterspritzung und Hautverjüngung. Gängige Mittel sind Hyaluronsäure, Poly-Milchsäure, Kalzium-Hydroxylapatit.
  • Glättung und Neuaufbau der Haut mittels Laser wie IPL, CO2, KTP-Laser, Rubin-Laser, Nd:Yag oder 560nm-IPL.
  • Photodynamische Therapie (Laser-PDT) zur Entfernung von Tattoos oder zur Haarentfernung.
  • Abrasive Verfahren wie Peelings mit hochkonzentrierter Fruchtsäure, TCA oder Salicylsäure.
  • Zielgenauer Fettabbau mittels Lipolyse (Fett-weg-Spritze).
  • Microdermabrasion: mechanisches Abschmirgeln der obersten Hautschicht durch das Ansaugen und gleichzeitige Aufschleudern von Mikrokristallen.
  • Verminderung von Cellulite und Dehnungsstreifen (Striae) durch die Stoßwellentherapie.
  • Fadenlifting: das Einfädeln von dünnen Eiweiß-Fäden unter die Gesichtshaut. Ziel der Maßnahme ist ein punktueller Volumenaufbau.
  • Einschleusen von Wirkstoffen mittels Mesotherapie, auch Mesolift genannt. [8]

 

Wann sollte man einen Hautarzt oder eine Hautärztin aufsuchen?

Immer dann, wenn sich das Hautbild wandelt, ist Vorsicht geboten. Das können spontane Veränderungen aber auch eine schleichende Umgestaltung der Hautoberfläche sein.
Weil manche Hautkrankheiten zunächst harmlos aussehen und weder mit Schmerzen noch mit sonstigen Symptomen einhergehen, schieben viele Menschen den Gang zum Hautarzt auf. Trotzdem sollte ein Termin vereinbart werden. Erst recht, wenn Schmerzen, Juckreiz, Brennen, Schwellungen oder Taubheit hinzukommen.

 

Benötigt man für den Termin beim Hautarzt eine Überweisung?

Die meisten Patienten sind an die sog. Hausarztzentrierte-Versorgung gebunden. Sie müssen sich zunächst bei ihrem Hausarzt vorstellen und die Erkrankung schildern. Kommt der Allgemeinmediziner zu dem Ergebnis, dass er die Behandlung einem Facharzt übertragen möchte, erteilt er dem Patienten eine Überweisung. Mit der Bescheinigung vereinbart der Erkrankte einen Termin beim Hautarzt.

Ausnahmen:

  • Für das Hautkrebsscreening ist keine Überweisung nötig. [9]
  • Bestimmte gesetzliche Krankenkassen bieten spezielle Programme an. Wer in einem solchen Tarif ist, kann unmittelbar einen Termin mit dem Hautarzt vereinbaren.
  • Die meisten Privatversicherten dürfen ohne Überweisung zum Hautarzt.

 

Im Notfall:

Zur Akutversorgung darf immer direkt eine medizinische Praxis konsultiert werden. Weil viele niedergelassene Ärzte aber nur knappe Sprechstunden anbieten, sollte man im Notfall das nächstgelegene Klinikum aufsuchen.

Tipp: So finden Sie den für sich passenden Hautarzt! Das Arbeitsfeld eines Hautarztes ist breit gefächert. Informieren Sie sich deshalb vorab genau, welche Schwerpunkte der Hautarzt Ihrer Wahl in seiner Praxis vertritt. Hilfreich ist dabei beispielsweise die Weisse Liste. Hier lässt sich online gezielt nach einem Arzt in Wohnortnähe suchen. In der Regel sind die individuellen Spezialisierungen (z.B. Proktologie, Allergologie, Venenheilkunde, Dermatohistologie, Medikamentöse Tumortherapie, Homöopathie) des jeweiligen Arztes aufgelistet. [10]




Quellen:
[1] https://www.dglymph.de/medizin-informationenstudien/oedemkrankheiten/

[2] http://www.phlebology.de/startseite

[3] https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/hautkrebs/article/943106/europaeische-studie-dermatoskopie-nutzen-krebs-diagnostik-bestaetigt.html

[4] https://www.apotheken-umschau.de/diagnose/prick-test

[5] https://www.martinhempel.ch/downloads/hautstraffung.pdf

[6] https://www.mvz-offenburg.de/fileadmin/user_upload/pdf/mvz/drlink_Proktoskopie_Info.pdf

[7] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26017594

[8] https://www.mesotherapie.org/mesotherapie-informationen/

[9] https://www.test.de/Gesetzliche-Krankenversicherung-Hautkrebsvorsorge-1815070-0/

[10] https://www.weisse-liste.de/de/arzt/arztsuche/